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Praktikumsbewerbung 2026: Anschreiben, Lebenslauf und MiLoG-Status
Pflicht- vs freiwilliges Praktikum unterscheiden, Anschreiben mit Studienordnung-Bezug formulieren, Lebenslauf für Studierende — Schritt-für-Schritt mit MiLoG §22 als Rahmen.

Eine deutsche Praktikumsbewerbung 2026 trifft zwei Vorab-Entscheidungen, bevor Anschreiben oder Lebenslauf entstehen: Ist das Praktikum Pflicht- oder freiwilliges Praktikum nach §22 MiLoG, und welche Vorerfahrung trägt der noch dünne Lebenslauf? Beide Antworten verändern Wortlaut, Tonfall und Erwartungshaltung. Der Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 € pro Stunde — und ob er gilt, hängt nicht von Verhandlungsgeschick, sondern vom Status des Praktikums ab. Diese Anleitung trifft die juristische Vorab-Entscheidung, baut Anschreiben und Lebenslauf darauf und liefert die Formulierungen, die Personaler in der Studierenden-Saison tatsächlich lesen.
Pflicht- oder freiwilliges Praktikum: warum diese Frage zuerst beantwortet wird
Die Unterscheidung ist keine akademische Spitzfindigkeit, sondern strukturelle Voraussetzung der gesamten Bewerbung. §22 MiLoG nennt vier Kategorien, in denen Praktikanten nicht unter den gesetzlichen Mindestlohn fallen:
Pflichtpraktikum nach §22 MiLoG: Praktikum, das durch Studienordnung, Hochschulgesetz, Schulrechtsverordnung oder Ausbildungsordnung verbindlich vorgeschrieben ist.
- Pflichtpraktikum auf Grundlage einer schul-, ausbildungs- oder hochschulrechtlichen Bestimmung (§22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 MiLoG)
- Orientierungspraktikum bis zu drei Monaten zur Vorbereitung auf Berufsausbildung oder Studium (Nr. 2)
- Begleitpraktikum bis zu drei Monaten parallel zur Berufs- oder Hochschulausbildung (Nr. 3)
- Einstiegsqualifizierung oder berufsvorbereitende Maßnahme nach SGB III (Nr. 4)
Alle anderen Praktika — insbesondere freiwillige Praktika ab dem vierten Monat — fallen unter den vollen Mindestlohn. Das Bundesarbeitsgericht hat 2018 zudem klargestellt: Auch ein vor Studienbeginn verlangtes Pflichtpraktikum als Zulassungsvoraussetzung zählt als mindestlohnfreies Pflichtpraktikum, wenn die Hochschule es schriftlich verlangt.
Für die Bewerbung folgen daraus zwei Konsequenzen. Erstens muss das Anschreiben den Status klar benennen, weil der Personalbereich sonst die Vergütungserwartung nicht zuordnen kann. Zweitens gehört bei Pflichtpraktika ein Verweis auf die Studien- oder Prüfungsordnung in das Anschreiben — das Unternehmen darf nur dann auf den Mindestlohn verzichten, wenn es den Pflichtcharakter dokumentieren kann.
Wie der Status den Aufbau des Anschreibens bestimmt

Das Anschreiben hat in einer Praktikumsbewerbung mehr Gewicht als in einer regulären Bewerbung — der Lebenslauf ist als Studierende:r naturgemäß noch dünn, also trägt das Anschreiben die Argumentation. Karrierebibel bestätigt dieses Verhältnis aus Personalersicht.
Drei Eröffnungsformen funktionieren in der deutschen Praktikumsbewerbung:
| Status | Eröffnungsformel | Was Personaler darin lesen |
|---|---|---|
| Pflichtpraktikum | "Im Rahmen meines Bachelorstudiums Maschinenbau an der TU München absolviere ich gemäß §12 der Prüfungsordnung ein zwölfwöchiges Pflichtpraktikum." | Verbindliche Pflicht, mindestlohnfrei, klar terminiert. |
| Orientierungspraktikum | "Vor Aufnahme meines Studiums möchte ich mit einem zweimonatigen Orientierungspraktikum prüfen, ob das Berufsbild Ingenieurin meine Erwartungen trifft." | Klarer Vorlauf, mindestlohnfrei bei ≤3 Monaten. |
| Freiwilliges Praktikum | "Parallel zum vierten Mastersemester suche ich ein sechsmonatiges Praktikum, das ich freiwillig zur Vertiefung meiner Kenntnisse in Embedded Systems absolvieren möchte." | Vergütungserwartung Mindestlohn ab Monat 4. |
Der Hauptteil des Anschreibens hält die deutsche AIDA-nahe Struktur ein, ist aber kürzer als ein klassisches Anschreiben — eine A4-Seite, etwa 250 Wörter:
- Anlass und Status (zwei bis drei Zeilen, siehe Tabelle).
- Theoretischer Hintergrund — welches Studienmodul oder welche Vorlesung das gewählte Themenfeld berührt; konkret, nicht abstrakt.
- Praktischer Anker — was Sie bereits gemacht haben (Schülerpraktikum, Werkstudentenjob, HiWi, Forschungsbeleg-Arbeit), das die Lernkurve trägt.
- Zielsatz — was Sie im Praktikum lernen wollen. Formulierung wie "Ich möchte mein Wissen über X in einer industriellen Umgebung anwenden und Y aufbauen." statt vager Motivationsfloskeln.
Bewerbungs-Eröffnungen mit "Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich hiermit auf Ihre Stelle bewerben" gelten als Filter-Formulierung — sie geben dem Personaler keinen Grund weiterzulesen. Eröffnen Sie stattdessen mit dem Pflichtcharakter und der Studienordnung, oder mit dem konkreten Modul, das das Praktikum begleitet.
Was der Lebenslauf als Studierende:r tragen muss
Die Bundesagentur für Arbeit bleibt die offizielle Referenz für den deutschen tabellarischen Lebenslauf — maximal zwei A4-Seiten, antichronologisch, klar gegliedert. Für Studierende mit kurzer Berufshistorie passt der Lebenslauf in eine Seite und folgt dieser Reihenfolge:
- Persönliche Daten — Vor- und Nachname, Anschrift, Telefon, E-Mail. Geburtsdatum und Geburtsort sind seit dem AGG freiwillig; in der Studierenden-Bewerbung sind sie üblich.
- Studium — aktueller Studiengang oben, mit Hochschule, voraussichtlichem Abschlussdatum und gegebenenfalls Schwerpunkten oder relevanten Modulen mit Note.
- Schulische Bildung — Abitur mit Schule und Note. Mittlere Reife wegfallen lassen, wenn das Abitur abgeschlossen ist.
- Praktische Erfahrung — Schülerpraktika, Werkstudentenjobs, HiWi-Stellen, ehrenamtliche Tätigkeit. Drei bis fünf Stichpunkte pro Eintrag, konkrete Aufgaben statt allgemeiner Beschreibungen.
- Kenntnisse — Sprachkenntnisse mit GER-Stufen (B2, C1) statt "fließend"; IT-Kenntnisse mit konkreten Tools und Versionen statt Listen.
- Engagement und Sonstiges — Studierendenvertretung, Hochschulgruppen, ehrenamtliche Trainerfunktion. Zählt als Soft-Skill-Beleg, wenn die Tätigkeit konkret beschrieben ist.
Der häufigste Fehler im Studierenden-Lebenslauf ist die Auflistung von Schul-AGs und Klassensprecher-Tätigkeiten in der Tiefe, die der Lebenslauf nach dem Abitur nicht mehr trägt. Faustregel: Schulische Engagements wegfallen lassen, sobald das dritte Semester beginnt — sie verwässern den Hochschul-Eindruck.
Welche Anlagen in die Praktikumsbewerbung gehören
Die deutsche Bewerbung zerfällt traditionell in drei Teile: Anschreiben, Lebenslauf, Anlagen. Bei einem Praktikum sind die Anlagen selektiv — niemand will einen 18-seitigen PDF-Anhang scannen. Drei Dokumente reichen in den meisten Fällen:
- Aktuelle Notenübersicht oder Transcript of Records — bei Bewerbungen mit Studienbezug oft erwartet, weil das Praktikum ein Modul ersetzt.
- Abiturzeugnis (in Auszügen oder gesamt) — bei Erst- und Orientierungspraktika weiterhin Standard.
- Bescheinigung der Hochschule über den Pflichtcharakter — nur bei Pflichtpraktikum, aber dann zwingend, weil das Unternehmen den Mindestlohnverzicht dokumentieren muss.
Schul- oder Praktikumszeugnisse aus der Mittelstufe haben in der Hochschul-Bewerbung nichts mehr zu suchen. Werkstudentenzeugnisse und HiWi-Verträge nur dann, wenn sie inhaltlich zum Zielpraktikum passen.
Ein Foto bleibt 2026 freiwillig — das AGG schützt davor, dass es verlangt werden darf, aber Personaler sehen es laut Stepstone-Daten weiterhin häufiger als nicht. Bei Praktikumsbewerbungen ist die Quote unverändert hoch; Studierende, die Bedenken wegen Diskriminierung haben, können es weglassen, ohne dass es die Bewerbung schwächt.
Wie das Anschreiben den Studienordnung-Bezug korrekt formuliert
Die Pflicht des Praktikums ergibt sich aus einem konkreten Paragraphen der Prüfungs- oder Studienordnung. Personaler wollen diesen Paragraphen nicht recherchieren — sie wollen ihn im Anschreiben lesen. Die schwächste Formulierung ist "Im Rahmen meines Studiums habe ich ein Pflichtpraktikum zu absolvieren". Die starke Formulierung nennt das Hochschulrecht direkt:
"Gemäß §17 Abs. 2 der Prüfungsordnung Bachelor Wirtschaftsinformatik der Universität zu Köln vom 12.10.2022 ist im fünften Fachsemester ein zwölfwöchiges Pflichtpraktikum in einem einschlägigen Unternehmen abzuleisten."
Diese Formulierung erfüllt drei Aufgaben in einem Satz: sie nennt den juristischen Anker für den Mindestlohnverzicht, sie zeigt Hochschule und Studiengang ohne separate Erklärung, und sie gibt den verbindlichen Zeitrahmen vor. Personaler im Mittelstand danken es Ihnen — sie können die Bescheinigung sofort beim Personalreferat anfordern.
Beim freiwilligen Praktikum ist die Formulierung anders gewichtet. Hier wird der Status nicht juristisch gerechtfertigt, sondern zeitlich rahmt:
"Vom 1. September 2026 bis zum 28. Februar 2027 möchte ich freiwillig ein Praktikum in Ihrem Bereich Datenanalyse absolvieren. Da das Praktikum sechs Monate umfasst, gehe ich von einer Vergütung nach Mindestlohngesetz aus."
Die offene Erwähnung der Vergütungserwartung wirkt nicht aufdringlich, sondern professionell — sie verhindert die spätere Diskussion, die in 60 Prozent der freiwilligen Praktika trotzdem entsteht.
Ein vollständiges Anschreiben für ein Pflichtpraktikum, kommentiert
Das folgende Beispiel zeigt eine Praktikumsbewerbung für ein zwölfwöchiges Pflichtpraktikum im Studiengang Wirtschaftsinformatik. Jeder Absatz erfüllt eine Funktion; die Kommentare in eckigen Klammern erscheinen nicht in der eingereichten Bewerbung.
Sehr geehrte Frau Dr. Hoffmann,
gemäß §17 Abs. 2 der Prüfungsordnung Bachelor Wirtschaftsinformatik der Universität zu Köln vom 12.10.2022 absolviere ich im fünften Fachsemester ein zwölfwöchiges Pflichtpraktikum in einem einschlägigen Unternehmen. Ihre Stellenausschreibung "Praktikant (m/w/d) Data Engineering" passt inhaltlich zu meinem Studienschwerpunkt Datenmanagement, weshalb ich mich für den Zeitraum vom 1. September bis 28. November 2026 bewerbe.
[Anlass-Status-Zeitrahmen in einem Absatz; nennt den juristischen Anker, das Unternehmen muss den Mindestlohnverzicht später nicht selbst recherchieren.]
Im Modul "Datenbanken und Information Retrieval" habe ich PostgreSQL, dbt und einen einfachen ELT-Pipeline-Bau in Airflow durchlaufen. Im Forschungspraktikum am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik habe ich diese Werkzeuge auf einen reellen Datensatz mit 4,3 Millionen Transaktionen angewandt und dort die Pipelines automatisiert.
[Theoretischer Hintergrund + praktischer Anker mit konkreten Werkzeugen, Zahlen, Modulnamen.]
Im Praktikum bei Ihnen möchte ich diese Erfahrung in einer industriellen Umgebung erweitern, insbesondere im Umgang mit Datenqualitäts-Frameworks und im Aufbau produktiver Daten-Pipelines mit echten SLAs.
[Zielsatz: was lernen, nicht warum motiviert. Konkret, nicht vage.]
Über ein Vorstellungsgespräch ab Mai 2026 würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen Lena Schmidt
Das Anschreiben kommt auf knapp 220 Wörter — die untere Grenze des deutschen Anschreibens-Standards. Bei einer Praktikumsbewerbung passt diese Kürze besser als der traditionelle Drei-Absatz-Brief, weil der Lebenslauf der Studierenden ohnehin den Hauptinhalt trägt.
Häufige Fehler in deutschen Praktikumsbewerbungen
Vier Fehlerklassen tauchen in der Personalpraxis am häufigsten auf:
- Falscher Status, falsche Vergütung — Studierende geben "freiwilliges Praktikum" an, obwohl die Studienordnung es als Pflicht vorschreibt. Das Unternehmen zahlt im Glauben den Mindestlohn, die Sozialversicherungspflicht ändert sich, und beim Praktikumsabschluss entstehen Rückbuchungen. Status zuerst klären.
- Werkstudent und Praktikant verwechselt — beide Beschäftigungsformen sind sozialversicherungs- und steuerrechtlich verschieden. Werkstudententätigkeit erfordert Immatrikulation und maximal 20 Wochenstunden während der Vorlesungszeit; Praktikum ist zeitlich befristet ohne Wochenstundenbegrenzung.
- Anlagenflut — Bewerbungen mit 20+ Seiten Zeugnissen aus dem Schulzeitraum überfordern den Personalbereich. Drei bis fünf Anlagen reichen.
- Sprachkenntnisse-Übertreibung — "fließend Englisch" ohne TOEFL- oder IELTS-Score wird im Vorstellungsgespräch geprüft. Sicherer ist die GER-Stufe (B2, C1) mit oder ohne Zertifikatsbezug.
Was Personaler bei der Praktikumsbewerbung tatsächlich sieben
Der Personalbereich des deutschen Mittelstands liest Praktikumsbewerbungen anders als feste Stellen. Die Sortierkriterien laut Karrierebibel-Recruiter-Befragung:
- Studiengang plus Fachsemester — passt das Ausbildungsstadium zur ausgeschriebenen Aufgabe?
- Vorerfahrung im Themenfeld — Werkstudentenjob, HiWi, Schülerpraktikum mit fachlichem Bezug.
- Verfügbarkeitszeitraum — Anfangs- und Enddatum klar im Anschreiben.
- Pflicht- oder freiwillig-Status — wegen MiLoG.
- Sprachkenntnisse — bei internationalen Konzernen oft erst entscheidend.
Was Personaler nicht wertschätzen: lange Schulchroniken, Auflistungen von Hobbys ohne fachlichen Bezug, AGG-sensible Angaben (Religion, politische Überzeugung), Bewerbungsanschreiben mit Standardformulierungen, die offensichtlich aus einer Vorlage kopiert wurden.
Wer bei der Anschreiben-Formulierung unsicher ist, kann den Entwurf bei cvmakeover.ai hochladen und gegen die deutschen Praktikumskonventionen prüfen lassen. Auch das Lebenslauf-Format prüft die Plattform automatisch gegen ATS-Parser, die in mittelständischen Unternehmen seit 2024 deutlich häufiger eingesetzt werden.
Wer den Praxissemester- oder Auslandspraktikums-Sonderfall hat, findet im Lebenslauf-Englisch-Guide die zusätzlichen Konventionen für UK- und US-Bewerbungen. Für Bewerbungen ohne ausgeschriebene Stelle bleibt die Initiativbewerbung das richtige Format.
Das Wichtigste im Überblick
- Pflichtpraktikum nach §22 MiLoG ist mindestlohnfrei, wenn die Studienordnung es verbindlich verlangt; freiwilliges Praktikum ab dem vierten Monat unterliegt dem vollen Mindestlohn von 13,90 € (2026).
- Das Anschreiben benennt den Status in den ersten zwei Zeilen und nennt bei Pflichtpraktika den konkreten Paragraphen der Prüfungs- oder Studienordnung.
- Der Studierenden-Lebenslauf passt auf eine Seite, beginnt mit dem aktuellen Studium und ersetzt die Berufserfahrung durch Praktika, Werkstudentenstellen und HiWi-Tätigkeit.
- Anlagen sind selektiv: Notenübersicht, Abiturzeugnis, bei Pflichtpraktikum die Hochschulbescheinigung. Schulzeugnisse aus der Mittelstufe gehören nicht mehr in eine Hochschul-Bewerbung.
- Vergütungserwartungen werden im freiwilligen Praktikum offen genannt — das ist nicht aufdringlich, sondern verhindert die spätere Vergütungsdiskussion.
- Personaler im Mittelstand lesen Praktikumsbewerbungen entlang Studiengang plus Fachsemester, fachlich passender Vorerfahrung, Zeitrahmen und MiLoG-Status. Bewerbungen, die diese vier Felder klar beantworten, kommen weiter.